Volksbanken fusionieren: Rhein-Lahn und Limburg

Limburg/Diez, 19.02.2016

Der neue Vorstand mit (v.l.) Alfred Ullner, Klaus Merz, Matthias Berkessel, Dietmar Basta und Hans Josef Dishur.

Die Vereinigte Volksbank Limburg und die Volksbank Rhein-Lahn fusionieren rückwirkend zum 1. Januar 2016. Die Entscheidung der Vorstände und Aufsichtsräte muss formell aber noch von den Vertreterversammlungen der beiden Geldinstitute beschlossen werden. Ziel ist eine starke genossenschaftliche Regionalbank.

Nach den Krankenhäusern nun die Volksbanken: Die Geldinstitute in Limburg und Diez verschmelzen über die Landesgrenze hinweg. Die Vereinigte Volksbank Limburg wird juristisch die Volksbank Rhein-Lahn übernehmen, der Hauptsitz aber in Diez sein. Die Volksbank Rhein-Lahn-Limburg, so der offizielle Name, hat eine Bilanzsumme von knapp 1,8 Milliarden Euro, fast 100 000 Kunden, 34 Standorte und 452 Mitarbeiter. „Aufgrund des Zusammenschlusses wird niemand entlassen“, sagte der Limburger Vorstandsvorsitzende Klaus Merz gestern der NNP.

Die Entscheidung der Vorstände und Aufsichtsräte muss formell noch von den Vertreterversammlungen beschlossen werden. Dies soll am 14. Juni in Bad Ems und einen Tag später in Limburg geschehen.

Die Fusion ist auf den ersten Blick eine Riesen-Überraschung, auf den zweiten macht sie jedoch Sinn. Die beiden Genossenschaftsbanken haben in der Vergangenheit schon häufiger gemeinsame Geschäfte abgewickelt, unter anderem bei der Finanzierung der WERKStadt. In den vergangenen Monaten war immer wieder spekuliert worden, ob sich eine der beiden expansions- und fusionsfreudigen Volksbanken im Umfeld nach Limburg ausdehnen will: entweder die Voba Mittelhessen oder die Frankfurter. Jetzt also keine der beiden (ganz) Großen, sondern Rhein-Lahn. Ziel ist laut Merz eine starke genossenschaftliche Regionalbank. Das Geschäftsgebiet reicht von Ellar bis Kaub.
 

Betrieb läuft unverändert

Gespräche über eine Vereinigung gab es schon seit Längerem, konkret wurden die Verhandlungen nach Informationen der NNP vor einem halben Jahr. Neben den Vorständen sollen zunächst nur die Aufsichtsrats-Vorsitzenden und ihre Stellvertreter involviert gewesen sein.

Der Betrieb in beiden Häusern läuft vorläufig wie bisher weiter – als wenn es keine Fusion gäbe. Der Vertrag kann erst nach dem Beschluss der Vertreterversammlungen besiegelt werden. Nach der Zustimmung beginnt das erste gemeinsame Geschäftsjahr rückwirkend zum 1. Januar 2016.

Warum übernimmt der kleinere Partner juristisch den Größeren und warum wird dann Diez der Hauptsitz? Das hat wohl steuerliche Gründe. Weil Limburg sehr viel in Immobilien investiert hat, wäre andernfalls eine deutlich höhere Grunderwerbssteuer fällig gewesen.

Einzelheiten der Fusion, auch zur Besetzung des Vorstandes, sollen in etwa vier Wochen bekanntgegeben werden. Die beiden Limburger Vorstände Klaus Merz und Alfred Ullner bleiben in Limburg, ihre drei Rhein-Lahn-Kollegen Matthias Berkessel, Dietmar Basta und Hans Josef Dishur in Diez. Wie die Rollen in der Führungsspitze künftig verteilt werden, bleibt abzuwarten. Es ist freilich kein Geheimnis, dass Dishur im März des nächsten Jahres 65 und dann ausscheiden wird.
 

Freiwilliger Schritt

Mit der Fusion wollen die Verantwortlichen nach eigenen Angaben angesichts der dynamischen Veränderungen im Bankensektor die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellen. Beide Banken haben 2015 ein Rekordergebnis erzielt; die Verschmelzung geschieht also nicht notgedrungen, sondern freiwillig und in beiden Fällen aus einer Position der Stärke heraus. Die Bündelung der Kräfte soll die richtige strategische Antwort auf die zukünftigen Herausforderungen sein. Dazu zählen neben verbesserten Angeboten und Leistungen auch die Digitalisierung und technische Innovationen. Die kontinuierlich steigenden regulatorischen Anforderungen spielen natürlich ebenfalls eine wichtige Rolle.

Die geschäftspolitische Ausrichtung der beiden Häuser ist sehr ähnlich. Beide stehen auf einem wirtschaftlich gesunden Fundament und haben fast identische, überdurchschnittliche Rentabilitätskennzahlen. Von der größeren Einheit versprechen sich die Geldinstitute Vorteile für alle Seiten. „Im Mittelpunkt stehen die gestiegenen Kundenanforderungen an eine moderne, leistungsstarke Bank. Zusammen wird es uns leichter fallen, die Kundennähe und Qualität zu bewahren, die uns beide bereits heute auszeichnet“, sagt Merz. „Die Fusion dient der Verknüpfung wachsender Wirtschaftsräume – wie Rhein-Main, Limburg und Koblenz – zum Wohle unserer ländlichen Region“, erläutern Berkessel und Basta. „Für die Mitarbeiter“, so Alfred Ullner, „entsteht durch das größere Haus ein noch attraktiverer Arbeitgeber, der interessante, berufliche Entwicklungsperspektiven bietet.“

Die durch die Vermeidung von Doppelarbeiten gesparten Kosten sollen laut Hans-Josef Dishur lieber dort investiert werden, wo Mitglieder und Kunden davon profitieren: In die Beratung, in moderne Filialen, in multikanale Zugangswege und die Unterstützung der regionalen Wirtschaft sowie Initiativen vor Ort.

(nnp - hei)

Das sind die Zahlen zum Jahresende 2015. Das Eigenkapital erhöht sich nach der Zuführung des Gewinns auf rund 190 Millionen. Die Anzahl der Firmenkunden lässt sich nicht genau vergleichen, weil sie unterschiedlich eingeordnet worden sind.